Interview mit Oliver Fink

Oliver Fink gründete 2003 das Beratungsunternehmen FINK DIFFERENT und arbeitet als Berater, Creative Director, Coach und Dozent mit seinem Team für Unternehmen und Organisationen der Wirtschaft und der öffentlichen Hand aus dem deutschsprachigen Raum. Er war in Werbeagenturen, Beratungsgesellschaften und internationalen Unternehmen gestalterisch, verkäuferisch und beratend tätig. 

 

1.    FINK DIFFERENT gibt es nun seit 15 Jahren. Sind Sie als Gründer noch zufrieden mit Ihrem Geschäftsmodell? 

Das Geschäftsmodell konzentriert sich mehr und mehr auf Aspekte der Unternehmenskultur. Das intelligente Zusammenspiel aus Führung, Kommunikation und Identität ist die Quintessenz daraus.

 

2.    Wieso gerade Führung, Kommunikation und Identität?

Denken Sie an einen menschlichen Körper. Ich verstehe die Organisation mehr als einen Organismus. Da gibt es die Zentrale, quasi das Herz und Hirn eines Unternehmens. Wir nennen es Führung, bzw. etwas moderner ausgedrückt: Leadership. Ein gesunder Körper braucht Bewegung, Stoffwechsel, Austausch zwischen den körperlichen Bestandteilen und natürlich Verbindungen zur Umwelt über Interaktionen, über Sprache, über Berührung etc. Das ist die interne und externe Kommunikation. Jeder Körper besitzt zudem sein ganz spezifisches Aussehen, ist individuell gekleidet, agiert mit seiner unverwechselbaren Art und lebt seinen eigenen Markencharakter. Das ist die Identität, die sich durch interne Entscheidungen und äußere Einflüsse permanent entwickelt im Rahmen der Positionierung.

 

3.    Für wen arbeiten Sie?

Der Branchenmix ist groß. Zu unseren Kunden zählen Dienstleister, Einzelhändler, Bauunternehmen, Finanzunternehmen, Technologieführer, Zulieferbetriebe, Handelsunternehmen sowie Kommunen, Organisationen der öffentlichen Hand und Hochschulen. Das hat sich einfach so entwickelt und zu einer sehr großen Markterfahrung geführt und gab uns viele Einblicke in verschiedenste Bereiche.

 

4.    Wie gehen Sie in der Zusammarbeit vor? 

Wir stellen viele, viele Fragen, steigen ein und übernehmen Verantwortung, moderieren Prozesse, entwickeln Kommunikationsmaßnahmen, trainieren Führungskräfte, ja machen alles, was die Menschen und die Marke fit macht. Das ist ein universeller Ansatz, der bei kleinen und mittelständischen Unternehmen wunderbar zum Ziel führt. Bei Konzernen übernehmen wir spezielle Aufgaben, ob das die Nachwuchskräfteförderung oder der Relaunch der Brand Value Proposition ist.

 

5.    Warum haben Sie sich auf das Thema Differenzierung spezialisiert? 

Viele Unternehmen machen anderen vieles nach. Sie sind „Benchmark“-versessen und wandern kopierend den Branchenführern etwas fantasielos hinterher. Das führt in eine Sackgasse und macht abhängig. Intelligenter ist es, sich zu unterscheiden und eine eigene Faszination aufzubauen, durch etwas Einzigartiges oder durch eine kreative Abwandlung. Da muss dann auch im Slogan mehr stehen als „kompetent und flexibel“, denn das behaupten 100 andere auch. 

 

6.    Was heißt das, Faszination aufzubauen durch Einzigartigkeit? 

Es gibt unserer Erfahrung nach kaum einen wirkungsvolleren Ansatz als den der Differenzierung, um eine unverwechselbare und attraktive Identität und Marke aufzubauen. Marketingexperten wie Jack Trout oder Ralf Mayer de Groot sehen es ähnlich. Die Universität Mannheim hat es in einer größeren Studie umfassend bestätigt. Differenzierung sehen wir sehr umfassend, auf sozialer, auf technischer, auf kommunikativer, auf lösungsorientierter, auf sachlicher und auf emotionaler Ebene. Alle diese Dimensionen fließen dann in die Lösung mit ein. In einer Welt, in der vieles immer schneller miteinander vernetzt wird und auf Märkten, die immer ähnlichere Produkte und Services hervorbringen, ist Differenzierung einfach Trumpf.

 

7.    Wie genau erzeugt man diese individuelle Differenzierung?  

Es ist der Weg, den wir mit unseren Kunden wirksam, kreativ und ganz persönlich gestalten und gehen. Wir steigen tief in die Aufgabe ein, entwickeln Szenarien und wecken Fantasie für die Erweiterung oder Vertiefung oder völligen Erneuerung des Geschäftsmodells. Wir packen mit an, denken mit, entwickeln Innovationen und sind verantwortlich mit dabei. Wir verstehen uns als Kommunikatoren, Moderatoren, Gestalter, Strategen, Projektleiter, Trainer, Hofnarren, Fragensteller, Ästheten, Scrum Master und Strukturierer. Diese Rollenvielfalt fassen wir mit „Sparringspartner“ zusammen. Es ist ein Weg mit viel Fleiß und Schweiß, der aber dann erfolgreich zur Einzigartigkeit führt. 

 

8.    Für wen ist Ihr Ansatz besonders attraktiv?

Am liebsten wende ich den Ansatz in kleinen und mittelständischen Unternehmen an. Denn in inhabergeführten, „entscheidungsfreudigen“ Betrieben mit klaren Strukturen und Verantwortlichkeiten (so definiere ich Mittelstand) sind wir geschätzte Partner auf Augenhöhe und dürfen Mut und Erfahrung einbringen. So entsteht Vertrauen und es sitzen tatsächlich Entscheider am Tisch, die Spaß an der Arbeit haben. Das beschleunigt Prozesse und macht vieles einfacher und stressfreier. Große Unternehmen sind meist komplexer und auch komplizierter. 

 

9.    Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung hinsichtlich Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, AR etc.?

Da gibt es viele Experten, die Ihnen das viel ausführlicher erläutern können als ich. Ich meine, dass die ganze Digitalisierung vor allem eines bewirkt: Wir denken intensiver darüber nach, was Kunden, Investoren, User, Bürger, Patienten oder Studierende wirklich wollen. Das ermöglicht ein engpasskonzentriertes Denken und schafft erfolgreiche, neue Geschäftsmodelle. Wer den Kanal zwischen Bedarf und Angebot anbietet, hat alle Trümpfe in der Hand. Denken wir an Amazon oder Airbnb. Dieser muss aber erst einmal gefunden und besetzt werden. Das hat im ersten Schritt wenig mit IT oder einer App zu tun, das heißt vor allem strategisch, kreativ und umfassend zu Denken. Wir brauchen also vor allem gute, geschulte und mutige Denker, die in der Lage sind, Prozesse zu analysieren und schnell neu aufzustellen. Vor allem brauchen wir auch Menschen, die bereit sind, ihre bisherigen Wege zu verlassen. Was die Kirche als Buße und Umkehr bezeichnet, könnte als erneuerndes Prinzip auch der Wirtschaft helfen. Ich hoffe aber auch, dass wir trotz der gierigen Goldgräberstimmung mehr und mehr in der sozialen Verantwortung wachsen und das rein materialistische Gewinnstreben mehr und mehr verlassen. Denn das führt sozial, ökologisch und ökonomisch in die Katastrophe. Dass ein DAX-Konzern natürlich länger braucht um einen neuen Kurs anzusteuern als ein kleines Start-Up, ist logisch und zugleich eine große Herausforderung. Denn oft entstehen in dieser wilden digitalen Zeit keine neuen, wichtigen und wertschöpfenden Arbeitsplätze, sondern nur einige, wenige und völlig überbewertete Neureiche, die damit komplette Geschäftsfelder zerstören, was eine erschütternde Folge der sogenannten disruptiven Ansätze sein kann. 

 

10.Was macht FINK DIFFERENT aktuell?

Wir entwickeln zurzeit einen umfassenden Ansatz, der die Eigenverantwortung aller Mitarbeiter transparenter macht und jeden ermächtigen kann, an seinem Platz etwas für seine Organisation zu tun, statt nur abzuwarten oder zu reden. Das beginnt bei der inneren Einstellung und der befreienden Einsicht, dass jeder Mensch mehr Einfluss auf sein Leben und berufliches Umfeld hat, als er gemeinhin annimmt. Im Laufe des Jahres 2018 werden wir diesen Ansatz aussagekräftig formulieren und dann in Form eines Buches, in Form von Vorträgen, Seminaren und weiteren Formaten anbieten und veröffentlichen. 

FINK DIFFERENT