Switch the damned Pitch

Wie wäre es, wenn Unternehmen ihre Dienstleister „fairgüten“ würden, wenn sie Ideen, Konzepte, Visualisierungen und viel, viel Zeit investieren? Man nennt es, glaube ich, Fairness. Wie wäre es, wenn man in einem Workshop herausfinden würde, ob man zusammen passt, ob die Chemie stimmt und ob es miteinander Spaß macht, Erfolge zu generieren? Das lässt sich mit einem gesunden Menschenverstand, ein wenig Zeit und wechselseitiger Empathie herausfinden. Gerne auch mit einem kurzen Blick in die Referenzen des Dienstleisters. Das spart Zeit und Aufwand. Stattdessen wird gepitcht wie eh und jeh. Mit Pokerfaces auf Auftraggeberseite und zweifelhaften oft überraschend sich wechselnden Rahmenbedingungen: „Leider habe ich heute nur eine Viertelstunde Zeit, können Sie mir das Konzept mal schnell erklären, muss gleich weg ..." ohne dabei nicht unerwähnt zu lassen, dass diese Kommunikationsmaßnahme, dieser Markenrelaunch, diese CI-Überarbeitung oder auch dieser Event das wichtigste Ereignis in diesem Jahr sei ...

Es ist kein Witz, wenn ich hier aus dem Nähkästchen plaudere, dass wir dermaleinst für den Pitch eines Briefbogens angefragt wurden. Wir sollten 3 fertige Briefbogenentwürfe vorlegen. Kostenlos versteht sich, das sei ja schließlich kein großer Aufwand - was ironischerweise in diesem Falle auch stimmte. Es wurden 10 Agenturen bzw. Designer angefragt ... für mich der Anfang vom Ausstieg aus dem Pitchwahnsinn.

Im Grunde genommen geht es mir ja darum, über eine einfache und sinnvolle Alternative zur bisherigen Pitchgewohnheit zwischen Auftraggeber und Dienstleister nachzudenken. Denn es ist doch wirklich an der Zeit, diese theatralische Form der anachronistischen Dienstleistungssklaverei zu beenden. 

„Switch the Pitch“ ist ein Impuls für die Kreativbranche von FINK DIFFERENT, der auf folgenden drei einfachen Punkten beruht:

+ Keine kostenlosen Pitches mehr!
Unsere Auftraggeber sind in der Regel keine insolventen Sanierungsfälle, sondern mittelständische Unternehmen und Konzerne, die durchaus in der Lage wären, kreative Leistungen fair zu vergüten, wenn sie denn wollten. Aber oft gilt das einflussreiche Primat des Controllings bzw. des Zentraleinkaufs. Erfreuliche Ausnahmen bestätigen lediglich die Regel.

+ Kennenlern-Workshops statt Balzgesang!
In der Regel will man herausfinden, ob man zusammenpasst und die Aufgabe gemeinsam realisiert werden kann. Das geht auch anders als mit albernen Bühnenshows vor einer emotionsreduzierten Jury und PPT-Schlachten in langweiligen Meetingräumen. Dazu gibt es zum Beispiel das sogenannte Gespräch (ein mächtiges Tool, wer das noch aus eigener Erfahrung kennt ...) oder den Austausch auf Augenhöhe sowie kreative und konstruktive Workshopformate. Standardisierte Exceltabellen und 60-seitige Vorabfragebogen bis hin zur pingelig detaillierten Angabe der gefährlichen Hobbys von freiberuflichen Mitarbeitern im Projektteam, sind aus meiner Sicht hingegen weniger zielführend. Rohstahl, Kunststoffgranulat oder Kopierpapier sind etwas fundamental anderes als Kommunikations- und Kreativdienstleistungen – erzeugt in Köpfen aus Fleisch und Blut. Das eine ist Ware, das andere sind geistige Resultate. Wer hier nicht mehr unterscheiden kann, ist infiziert vom Controlling-Virus.

+ Pitch-Honorar einfach mit dem Auftragshonorar vergüten!
Das freut den Auftraggeber und wäre eine gute Lösung für beide.

Ach ja, das Briefing! Das gehört ja auch zur Pitchkultur. Es wäre sinnvoll, wenn das Briefing so geschrieben wäre, dass daraus klar hervor ginge, ob es komplett in Frage gestellt werden darf oder wirklich ernst genommen werden muss. Alles dazwischen sorgt für Verwirrung und irgendwelche dubiose Vorabfragerunden. Denn innovative oder gar disruptive Ansätze zu fordern würde ja bedeuten, die bisherigen Wege und Formen zu verlassen! Oh oh – wer hat denn da wirklich den Mut dazu und übernimmt auf Kundenseite die selten gewordene Tugend der sogenannten Verantwortung? Auch hier schwinden Tapferkeit und Standing ganz schnell beim ersten leisen Einwand von ganz oben ...

Switch the Pitch? Are you on board? Ich freue mich auf Ihre Gedanken dazu.

Let‘s fink about it.